Praxistests in Tübingen und Berlin: Testen und Öffnen kann die Ausbreitung von COVID-19 mindestens ebenso gut eindämmen wie ein Lockdown

Angesichts der hohen Inzidenzen und der Belegung der Intensivstationen gibt es immer mehr Rufe nach einem harten Lockdown. Offensichtlich wird dieser als einzig wirksames Werkzeug gesehen. Doch was wurde inzwischen aus dem von Karl Lauterbach (SPD) so verteufelten Modell „Öffnen mit Sicherheit“ der Stadt Tübingen? Letzten Donnerstag lag die Inzidenz in Baden-Württemberg trotz wochenlangem Lockdown bei 109,3. Im Landkreis [!] Tübingen lag die Inzidenz bei 94,9. Hauptgrund für das relativ gute Abschneiden des Landkreises? In der Stadt Tübingen lag die Inzidenz nur bei 60. Ohne die Stadt Tübingen läge der Rest des Landkreises bei 107,9 – fast genau im Schnitt Baden-Württembergs.

Einen Feldtest riesiger Dimension gab es zudem direkt vor unserer Haustür. Der Berliner Senat führte Ende März das Modell „Test and Meet“ ein. Einzelhandel und Kultur sind mit tagesaktuellem negativem Test wieder zugänglich. Großer Haken dort: Die Information über und Bereitstellung von Testterminen klappt in Berlin noch nicht besonders gut. Nicht alle, die gern mal wieder shoppen gehen oder Kultur genießen wollten, hatten die Chance auf einen Test. Dennoch war das Ergebnis des Versuchs erfreulich: Zur Einführung am 31.03. lag die Inzidenz bei 138,1. Am 11.04. – knapp zwei Wochen später – liegt sie bei 114,1. Ein Rückgang um 24,0 – trotz Öffnung und Verzicht auf harten Lockdown.

Brandenburgs Landesregierung entschied sich hingegen für den gegenteiligen Weg: Verschärfung des Lockdowns bei gleichzeitigem Verbot aller Modellprojekte zur Öffnung. Was brachte es, den Menschen selbst mit Maske und negativem Testergebnis das Kaufen von Schuhen, Bekleidung, Handys und das Besuchen von Theatern zu verbieten? Am 31.03. lag die Inzidenz in Brandenburg bei 142,6. Am 11.04. war sie auf 119,4 gefallen – mit hartem Lockdown ein Rückgang um 23,2. Damit war der Rückgang sogar etwas geringer als im benachbarten Berlin, wo die Bürger viel mehr Freiheiten hatten und weniger wirtschaftlicher Schaden angerichtet wurde …

Auch im Saarland ist das Projekt nicht gescheitert. Zwar wird der „starke Anstieg“ der Zahlen kritisiert. Verschwiegen wird, dass dies in anderen Bundesländern mit Lockdown ebenso geschah. Und dass das Saarland mit 118 eine Inzidenz unter dem Schnitt der deutschen Bundesländer (141) aufweist. Was angesichts der Nähe zu Frankreich (Inzidenz aktuell über 350!), der dorthin bestehenden Pendlerbeziehungen und der nicht existenten Grenzkontrollen und konsequenten nicht-Durchsetzung der entsprechenden Regeln eher als Erfolg angesehen werden sollte.

Fazit:

1. Das Modell „Testen und Öffnen“ kann die Ausbreitung von Corona mindestens ebenso gut eindämmen wie ein Lockdown.

2. Harte Lockdowns sind damit überflüssig, da sie durch in Sachen Infektionsschutz ebenso wirksame Maßnahmen bei weniger Beeinträchtigung von Grundrechten sowie geringeren wirtschaftlichen Schäden ersetzt werden können.

Derzeit herrschen noch immer hohe Inzidenzen, die Intensivstationen nähern sich den Kapazitätsgrenzen. Eine vollständige Aufhebung aller Maßnahmen – wie von manchen gefordert – ist daher aktuell nicht möglich. Die Antwort darauf besteht aber in wirksamen UND effizienten Maßnahmen. Ziel ist es nicht, mit einem „harten Lockdown“ ein möglichst großes Opfer zu bringen (Symbolpolitik), sondern das Virus wirksam einzudämmen bei möglichst wenigen Einschränkungen für die Bürger. Das Modell „Testen und Öffnen“ hat sich hierbei in der Praxis bewährt und sollte anstelle harter Lockdowns in Brandenburg flächendeckend umgesetzt werden – so, wie BVB / FREIE WÄHLER es bereits im März im Landtag Brandenburg beantragt hatte!