Seit Wochen kennt Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte der SPD, nur eine Lösung für den Anstieg der Infektionszahlen: harter Lockdown – und das über Wochen. Das erfolgreiche „Tübinger Modell“ – eine Kombination aus Öffnung und Teststrategie – ist ihm dabei argumentativ ein Dorn im Auge. Seit Tagen versucht er daher, das Modell auf irreführende Weise schlechtzureden, ja für gescheitert zu erklären.

Der Trick dabei: Er verschweigt die sehr niedrige Inzidenz der STADT Tübingen (91.506 Einwohner), nutzt aber wiederholt die deutlich höhere Inzidenz im LANDKREIS Tübingen (227.331 Einwohner) als Argument gegen das Modell. Auch wenn das Tübinger Modell nur in der Stadt Tübingen erprobt wird. Und die Inzidenz im Landkreis Tübingen gerade wegen der niedrigen Werte der Stadt Tübingen weit unter dem Landesschnitt Baden-Württembergs liegt, was Lauterbach aber ebenfalls verschweigt.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer wies Lauterbach bereits am 24.03.2021 auf den Sachverhalt hin und bot dabei auch ein klärendes Telefongespräch an. Dies hielt Lauterbach nicht davon ab, das Tübinger Modell am 28.03.2021 erneut auf irreführende Weise mit Zahlen des Landkreises schlechtzureden. Von einem Versehen oder Unkenntnis der Verwaltungs- und Modellgrenzen seitens Herrn Lauterbach kann also nicht mehr ausgegangen werden. Wir haben daher entschieden, uns in die Debatte einzumischen und die Fakten richtigzustellen.

Die aktuellsten Fakten zu den Infektionszahlen beim Tübinger Modell

Am 26.03 veröffentlichte der Landkreis Tübingen wie jeden Freitag die Infektionszahlen der letzten Woche, aufgeschlüsselt auf die Gemeinden im Landkreis. Die Stadt Tübingen weist dabei eine Inzidenz von nur 34,97 auf (32 Neuinfektionen in 7 Tagen bei 91.506 Einwohnern). Damit lag die Stadt Tübingen weit unter der durchschnittlichen Inzidenz Baden-Württembergs von 121,2 Neuinfektionen pro Woche und 100.000 Einwohner.

Wäre Tübingen eine kreisfreie Stadt, hätte sie mit Abstand die niedrigste Inzidenz aller Landkreise und kreisfreien Städte in Baden-Württemberg. Der nächstbeste Landkreis am Freitag war Böblingen mit einer Inzidenz von 64,4. Die nächstbeste kreisfreie Stadt war Freiburg mit einer Inzidenz von 76,1 – mehr als doppelt so hoch wie in der Stadt Tübingen.

Aus den Zahlen wird auch klar, aus welchen Gemeinden sich die höhere Inzidenz im Landkreis Tübingen speist. Der in absoluten Zahlen wichtigste Hotspot: die Stadt Rottenburg mit 72 Neuinfektionen in 7 Tagen bei nur 43.843 Einwohnern (Inzidenz von 164,2). Damit war Rottenburg im Alleingang für fast die Hälfte der 163 Neuinfektionen im Landkreis Tübingen verantwortlich. Auch einige kleinere Gemeinden wiesen sehr hohe Inzidenzen auf, etwa Starzach mit 230,7. Rechnet man die Stadt Tübingen heraus, hätte der verbleibende Landkreis bei 135.825 Einwohnern und 131 Neuinfektionen eine Inzidenz von 96,4.

Somit ist klar: Auch nach zwei Wochen hat sich das Tübinger Modell bewährt. Die Inzidenzen in der Stadt Tübingen bleiben dank der Tests trotz Öffnung erheblich niedriger als im Umland. Wo mit einem weitreichenden Lockdown, aber erheblich weniger Tests gearbeitet wird – und das trotz Pendlern und Shopping-Touristen, die aus den umliegenden Hotspots nach Tübingen kommen.

Angesichts dieses Erfolgs bei gleichzeitig abstrusester Kritik können wir nur Oberbürgermeister Palmers Aussage zustimmen:

„Leute, die zu jeder Lösung ein Problem finden, gibt es wirklich genug.“

Fazit

Mit einem richtig organisierten Testprogramm bleiben die Infektionszahlen trotz Öffnung von Einzelhandel, Gastronomie und Kultur niedrig. Der Lockdown ist damit nicht die einzige Antwort auf steigende Infektionszahlen. Aufgrund der erfreulichen Zahlen nach zwei Wochen Tübinger Modell bekräftigt die BVB / FREIE WÄHLER Fraktion die Forderung, das Modell als Möglichkeit für Öffnungen in Brandenburg zu nutzen. Als wichtigste Änderung ist hierbei eine Entbürokratisierung der Tests notwendig. Hierbei kann Berlin als Vorbild dienen, wo inzwischen auch Schnelltests ohne Anmeldung und Termin möglich sind.

Die irreführenden Aussagen seitens Herrn Lauterbach sind hingegen absolut unprofessionell. Eine sich anbietende Lösung aus Starrsinn oder Profilierungswillen mit falschen Zahlen zu bekämpfen, ist angesichts der Situation absolut unangemessen und schädlich für das Land.