Folge 3: Was würde Tesla-Chef Elon Musk in Sachen Verkehrsanbindung der Gigafactory tun, wenn er an Stelle von Dietmar Woidke in der Landesregierung Brandenburg säße? (Teil 1)

Link zur Fortsetzung 

Verkehrstechnisch wird die Gigafactory eine riesige Herausforderung. Täglich sollen Tausende, später zehntausende Mitarbeiter zu Fabrik kommen. Tausende Lkws und zwei Dutzend Güterzüge sollen täglich Material liefern und fertige Produkte abtransportieren. Doch im Landtag stellen wir im Ausschuss immer wieder fest: Bei der Verkehrsanbindung hapert es gewaltig. Angekündigt wird viel, doch umgesetzt nur wenig. Für die wichtigsten Projekte gibt es nicht einmal einen Zeitplan.

Die A10 ist in dem Bereich zwar sechsspurig, aber das bringt für die Anbindung nichts. Denn wer von der Autobahn zur Gigafactory fahren will, hat aktuell nur eine einzige Ausfahrt: Freienbrink. Die führt auf eine einfache Landstraße (L38) mit nur einer Spur in jede Richtung. Folglich ist egal, wie hoch die vorherige Kapazität der Autobahn ist – die Ausfahrt und die anschließende Landstraße werden zum Flaschenhals und zur Staufalle. Daher ist eigentlich auch ein Ausbau der L38 und eine zweite Autobahnausfahrt im Norden geplant – aber real passiert ist dort bisher nichts, während die Fabrik in einem halben Jahr eröffnen soll. Die von Fürstenwalde kommende A12 ist zudem nur vierspurig und schon jetzt regelmäßig wegen des Verkehrs mit Polen überlastet. Das mag jetzt in Corona-Zeiten nicht der Fall sein, wird aber wieder kommen.

Wer mit dem Auto aus Köpenick, Wilhelmshagen, oder Erkner zur Gigafactory will, muss erstmal zur Autobahn kommen und fährt dafür in Erkner durch mehrere Nadelöhre – etwa den im Berufsverkehr schon jetzt dauerüberlasteten Kreisverkehr am Bahnhof, der im Video im Hintergrund zu sehen ist.

Der aktuelle Bahnhof Fangschleuse ist mit 3 km zu weit entfernt für Fußgänger. Täglich eine Stunde Fußmarsch bei Wind und Wetter wird kaum jemand akzeptieren. Zudem ist der Bahnsteig zu kurz für die geplanten längeren RE1-Züge. Also müsste umgebaut werden. Allerdings ist ohnehin geplant, dass der ganze Bahnhof näher an die Tesla-Gigafactory verlegt werden soll. Also entweder Provisorium oder gleich zeitnahe Verlegung des Bahnhofs. Doch die Lösung der Landesregierung: Es passiert seit einem Jahr gar nichts …

Lassen wir die Märkische Oderzeitung (MOZ) als neutralen Beobachter berichten: „Auf mehrfache Nachfrage von Philip Zeschmann (BVB / FREIE WÄHLER) räumte Genilke ein, dass aktuell kein neuer Vorstoß seitens des Landes zum sechsspurigen Ausbau der Autobahn A12 unternommen wurde. Bei der letzten Aufstellung des Bundesverkehrswegeplanes hatte es diese Baumaßnahme nicht in den vordringlichen Bedarf geschafft. Befragt nach Planungen für eine Ortsumgehung Gosen-Neuzittau und eine Berliner Anbindung südlich vom Müggelsee, verwies der Staatssekretär darauf, dass im zuständigen Landesbetrieb das Personal fehle, das Geld knapp sei und die vorhandenen Kapazitäten auch für andere wichtige Vorhaben wie in Schwarzheide Kapazitäten gebunden seien. Für Zeschmann sieht es nicht so aus, als ob im Spätsommer kommenden Jahres, wenn der Betrieb im Tesla-Werk aufgenommen werden soll, auch nur ein Minimum an Infrastruktur zur Verfügung steht.

[…]

In einem dreiviertel Jahr sollen Tausende Arbeiter in die Fabrik bei Grünheide pilgern und tausende Autos vom Band rollen. Wie das logistisch klappen soll, ist nicht absehbar. Ein Jahr, nachdem die Investition angekündigt wurde und der Bau selbst täglich Fortschritte macht, gibt es für die Verkehrsinvestitionen nicht einmal einen Zeitplan. Zumindest erweckt das Infrastrukturministerium diesen Eindruck. Vieles was man von dort hört, klingt schon heute wie eine vorweggenommene Entschuldigung: Wir sind nicht daran Schuld! Strukturpolitik geht anders.“

Gigafactory: Tesla-Gelände erhält Fußgängertunnel für 40.000 Beschäftigte – MOZ 12.12.2020

Zum Video auf Youtube
Zur Großen Anfrage „Qualitätsmanagement in den dienstleistenden Verwaltungen des Landes Brandenburg im Umgang mit Industrie- und Gewerbeansiedlungen“