Das Land Brandenburg ist dafür bekannt, dass es im Radwegenetz noch massive Ausbaupotenziale gibt. Warum das so ist, zeigt ein aktueller Fall aus der Uckermark.

Bereits 2007 wurde mit der Planung für einen Radweg mit einer Strecke von knapp 9 Kilometern zwischen Prenzlau und Damme begonnen. Auf Anfrage von Christine Wernicke, Landtagsabgeordnete von BVB / FREIE WÄHLER, stellte sich heraus, dass der zuständige Landesbetrieb für Straßenwesen noch nicht einmal einen genauen Termin nennen kann, wann ein Planfeststellungsverfahren für den Bau dieses Radwegs erneut eingeleitet werden soll.

Ursprünglich sollte der Radweg entlang der 1991 stillgelegten Eisenbahnstrecke der Prenzlauer Kreisbahnen verlaufen. Diese Pläne wurden 2010 auf Eis gelegt. Zahlreiche Eidechsen wurden entlang des Bahndamms gefunden. Daraufhin entschied man sich, den Radweg entlang der Landesstraße 25 zu bauen. Jedoch wurden 2017 in unmittelbarer Nähe des geplanten Radwegs wiederum ca. 220 Zauneidechsen gefunden. Die zeitnahe Umsiedlung dieser Tiere vor Baubeginn soll laut Gesamtkostenschätzung bereits etwa 470.000 Euro kosten. Dabei ist das Gesamtvolumen für den Bau des Radwegs mit 1,28 Mio. Euro veranschlagt.

Zauneidechsen haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von 6 Jahren. Es ist deshalb überhaupt nicht geklärt, ob diese Tiere auch heute noch in diesem Bereich des Bahndammes leben. Das Schotterbett – bevorzugter Lebensraum der Zauneidechsen – ist nicht mehr sichtbar. Selbst wenn man die Daten aus dem Jahr 2017 heranzieht, würde dies bedeuten, dass sich auf einem Kilometer Radweg rund 25 Zauneidechsen befinden würden. Deshalb auf den kompletten Bau des Radwegs zu verzichten, ist vollkommen unverhältnismäßig.

Eidechsen nur als Ausrede? Breitbandausbau machbar, Radwegebau unmöglich?

Skandalös finden wir es jedoch, dass genau an dieser Trasse Untergrundarbeiten stattfinden. Der Boden wird für den Breitbandausbau ausgehoben. Zumal der Radweg entlang einer bereits vorhandenen, stark befahrenen Landesstraße gebaut werden sollte. Die Wahrscheinlichkeit, dass LKW- oder Autofahrer auf Eidechsen treffen, scheint deutlich höher als dies bei Radfahrern der Fall ist. Dennoch scheint es so, dass auf Kosten der Sicherheit der Radfahrer das Wohl der Eidechsen über dem geplanten Radweg steht.

Es kann nicht sein, dass ein Radweg, der seit mittlerweile 14 Jahren in der Planung ist, an dem Vorhandensein von Eidechsen scheitert, jedoch metertiefe Schächte für den Breitbandausbau an genau derselben Stelle ausgehoben werden dürfen.

Christine Wernicke dazu: „Ich fordere die Landesregierung auf, Tempo bei den dringend benötigten Radwegen zu machen, um die Verkehrssicherheit von Radfahrern zu erhöhen. Alte Untersuchungen über Eidechsen gegen Radwege ins Feld zu führen und gleichzeitig an genau dieser Stelle Breitbandkabel zu verlegen, ist für mich überhaupt nicht nachvollziehbar und sorgt für Verärgerung.“