Impfen und Testen kommen nicht voran – Landesregierung plant angesichts steigender Inzidenz Verschärfung der Corona-Maßnahmen

In Israel und Großbritannien, aber auch in den USA gab es erfolgreiche Impfprogramme. Die Normalität kehrt langsam wieder zurück. Anders sieht es hierzulande aus. Die zu späte Bestellung an BioNTech führt weiterhin zu Lieferengpässen. Die Impfung mit Astrazeneca wurde wegen Todesfällen erst einmal ausgesetzt. Nicht einmal Freiwillige dürfen sich impfen lassen. Das ohnehin extrem langsame Impfprogramm kommt fast zum Stillstand – mit Brandenburg und Sachsen-Anhalt gleichauf auf dem bundesweit letzten Platz.

Doch auch das Testprogramm kommt in Deutschland und Brandenburg nicht in Fahrt. Dänemark testet im Vergleich zu Deutschland pro Einwohner sechsmal so viel. Motto: Lieber öfter mal auch bei geringer Wahrscheinlichkeit testen als symptomarme oder symptomfreie Fälle zu übersehen. Nur 1 % der Tests ist positiv, die Dunkelziffer unerkannter Infektionen dürfte in Dänemark äußerst gering sein.

Anders in Deutschland: Hier werden nur relativ wenige Tests gemacht. Dafür sind bei diesen Tests 7 % positiv – ein Hinweis auf eine relativ hohe Dunkelziffer von symptomarmen oder symptomfreien Infizierten, die dann unwissentlich weitere Menschen anstecken. Geht es so weiter, wird die Bevölkerung am Ende in erster Linie nicht durch das Impfprogramm, sondern unter erheblich mehr Todesfällen durch Infektion immunisiert.

In Brandenburg reagiert die Landesregierung (SPD, CDU, Grüne) nun auf den Wiederanstieg der Infektionszahlen. Doch die Reaktion besteht nicht aus einer Verbesserung bei Hygienemaßnahmen, Testprogramm oder dem Impfprogramm. Nein, gewählt wird wieder das relativ ineffiziente Mittel des Pauschal-Lockdowns. Im Frühjahr 2020 war dies angesichts des begrenzten Wissensstands die einzig bekannte Lösung. Doch seit Sommer 2020 liegen immer mehr Erkenntnisse vor, WO die Infektionen tatsächlich stattfinden und in welchen Einrichtungen das Risiko gering ist. Die Kenntnisse werden jedoch nicht beachtet und das grobe Mittel des Lockdowns als einzige Lösung verkauft. Wie lautet die Redensart: „Wer nur einen Hammer kennt, für den sieht jedes Problem wie ein Nagel aus …“

Wir halten diesen Weg für falsch. In vielen Einrichtungen lässt sich das Infektionsrisiko unter Hygienemaßnahmen auf Werte senken, die auch im Supermarkt mit Maske üblich sind. Dazu gehören beispielsweise Einzelhandel, Gaststätten und ironischerweise sogar körpernahe Dienstleistungen. Für andere – wie Ferienwohnungen in Gegenden mit Naturtourismus – war das befürchtete Infektionsrisiko nie plausibel. Solche Einrichtungen zu schließen, richtet erhebliche Schäden an, ohne das Infektionsgeschehen zu senken. Tatsächlich gefährlich sind Arbeitsstätten (insbesondere Großraumbüros), Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, (Flüchtlings-)Wohnheime und Privatwohnungen. Auch Schulen und Kitas werden bei sehr hohen Infektionszahlen zu Übertragungsorten. Doch schließen kann man diese Einrichtungen nicht – oder nur unter unverhältnismäßigen sozialen und finanziellen Auswirkungen. Hygienekonzepte würden helfen. In Privatwohnungen sind jedoch keine Kontrollen realistisch. Folglich müssten freiwillige Maßnahmen wie Aufklärung betrieben werden.

Fazit: Ein großer Teil des erneuten Lockdowns ist ein Zeichen von Hilflosigkeit. Was helfen würde – Aufklären, Testen, Impfen – bekommt die Landesregierung nicht hin. Daher wird wohl leider auch wieder auf ineffiziente Verbote relativ sicherer Einrichtungen zurückgegriffen – einfach nur, um nicht untätig zu wirken. Wir halten dieses Vorgehen für nicht sinnvoll.