Batterie- oder Speichertechnologie noch immer unbezahlbar – neue Reservekraftwerke müssen angegangen werden

Die Nennleistung von Brandenburgs Kraftwerkspark ist in den letzten Jahrzehnten auf beeindruckende 18.000 MW (Megawatt) angewachsen. Doch ausgerechnet der Zuwachs wird in Zukunft zu Problemen mit der Versorgungssicherheit führen. Denn er konzentrierte sich auf zwei wetterabhängige Energieformen: Windkraft und Photovoltaik. Rund 12.000 MW Nennleistung fallen bei wind- und sonnenarmen Wetterlagen – der „Dunkelflaute“ – komplett aus.

Brandenburg und Berlin benötigen in Spitze „nur“ rund 4.500 MW. Brandenburgs wetterunabhängiger Kraftwerkspark mit aktuell rund 6.000 MW Nennleistung reicht dafür noch aus. Doch durch den Kohleausstieg fallen in den nächsten 17 Jahren über 4.000 MW Nennleistung von Braunkohlekraftwerken weg. Die verbleibenden knapp 2.000 MW an wetterunabhängigen Energiequellen (Erdgas, Biogas, Biomasse, Müllverbrennung, Gichtgas …) reichen bei Dunkelflaute nicht aus, selbst wenn die meist gasbetriebenen (Heiz-)Kraftwerke Berlins mit einbezogen werden.

Batteriespeicher

Einige behaupten ständig, dass bald Speicher zur Verfügung stehen – unrealistische Träumerei, schaut man sich die Kosten an. Etwa Batteriespeicher: Brandenburg hat den größten Batteriespeicher Europas, die Big Battery. Rund 53 MWh Kapazität kosteten 25 Millionen Euro. Was kann sie damit leisten? Sie kann 1,5 % des Spitzenbedarfs Berlins und Brandenburgs für rund eine Stunde decken. Das ist durchaus nützlich, um kleine Schwankungen bei Angebot und Bedarf im Sekunden- bis Minutenbereich auszugleichen, was auch ihr eigentlicher Zweck ist.

Für einen stunden- oder tagelangen Ausgleich des Ausfalls von Tausenden MW an Windkraft- oder Photovoltaik-Kapazitäten ist die Big Battery jedoch um Größenordnungen zu klein. Um 4 Tage lang den Strombedarf von Berlin und Brandenburg zu decken, bräuchte man 5.600 Big Batteries und statt 25 Millionen Euro 140 Milliarden Euro.

Elektroenergiespeicherung mittels Wasserstoff

Auch die Speicherung von Elektroenergie über Wasserstoff ist noch unrealistisch. Die Gesamtwirkungsgrade sind mit 10-35 % zu gering. Kraftwerke müssten außerhalb der Dunkelflaute 3 bis 10 MWh Strom produzieren, um in der Dunkelflaute 1 MWh Strom zur Verfügung zu haben. Allein dieses Verpuffen von Strom verdreifacht bis vervierfacht die Gestehungskosten des letztlich nutzbaren Stroms. Hinzu kommen gewaltige Kosten für die Anlagen zur Elektrolyse, Speicherung und Rückverstromung. In Dänemark wird derzeit über ein Projekt debattiert, dessen Größenordnung auch in Berlin-Brandenburg benötigt würde. Die Kosten werden vorab auf 28 Milliarden Euro geschätzt – das Zehnfache der ursprünglichen Kostenschätzung des BER …

Notwendigkeit von Reservekraftwerken

Als realistische Lösung müsste Speichertechnologie erst erheblich effizienter und günstiger werden, was in den nächsten 20 Jahren nicht zu erwarten ist. Entsprechend teilte die Landesregierung auf Anfrage auch mit, dass es derzeit keine Speicher zur Langzeit-Speicherung in Brandenburg gibt und auch keine geplant sind (Große Anfrage, Antworten auf Fragen 30 und 31). Aus unserer Sicht kommen solche finanziellen Abenteuer mit unausgereifter Technologie für Brandenburg nicht in Frage. Folglich braucht es eine andere Lösung, wofür nach Atom- und Kohleausstieg derzeit nur Erdgas und in begrenztem Umfang bestimmte Erneuerbare (Biogas, Biomasse, Wasserkraft …) in Frage kommen.

Leider widmet die Landesregierung dem Thema nicht die notwendige Aufmerksamkeit. Von 12 Fragen aus unserer Kleinen Anfrage zu Reservekraftwerken beantwortete die Landesregierung keine einzige. Dieses Ignorieren des Themas kann die Landesregierung nicht fortsetzen, die Schaffung neuer Reservekraftwerke muss endlich angegangen werden. Angesichts der jahrelangen Planungs-, Genehmigungs- und Bauprozesse bei Kraftwerken sind weitere Verzögerungen nicht hinnehmbar.

Der Lösungsvorschlag der AfD war ein Revival der Atomenergie, während de Grünen weiterhin für teure Speichertechnologien plädierten. Wir schlagen da lieber das vor, was rechtlich und finanziell machbar ist. Denn wir haben schon jetzt die höchsten Stromkosten Europas (Siehe Große Anfrage, Antwort auf Frage 43). Diesen traurigen Spitzenplatz sollte man nicht noch mit teuren Experimenten steigern.