Antrag soll Luftrettung im Norden Brandenburgs verbessern – Intensivhubschrauber soll auch nachts die Rettungszeiten verkürzen 

Die Fraktion BVB / FREIE WÄHLER stellt zur kommenden Landtagssitzung im November einen Antrag zur Einrichtung eines Rettungshubschraubers an den Ruppiner Kliniken in Neuruppin. Außerdem soll mit dem Antrag eine wissenschaftliche Studie in Auftrag gegeben werden, die die Notfallversorgung in Brandenburg untersuchen soll. Hintergrund des Antrages ist die unzureichende Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Fraktion. In der Antwort argumentiert das Brandenburger Gesundheitsministerium, dass ein Rettungshubschrauber in Neuruppin nicht nötig sei, ohne diese Behauptung mit Zahlen und Fakten zu hinterlegen. „Es ist unlogisch, dass die Landesregierung zwar nicht beantworten kann, in wie vielen Fällen Hubschrauber im Kreis Ostprignitz-Ruppin und anderen Orten eingesetzt wurden, aber einen Hubschrauber aus Wirtschaftlichkeitsgründen ablehnt“, sagt der Fraktionsvorsitzende Péter Vida.

Derzeit gibt es fünf Standorte mit Rettungshubschraubern in Brandenburg (Angermünde, Bad Saarow, Brandenburg a.d.H., Perleberg und Senftenberg). Davon ist aber nur der Standort Senftenberg als Intensivhubschrauber ausgeführt. Diese dürfen auch nachts fliegen, während die anderen vier in der Nacht am Boden bleiben müssen. Von Senftenberg im Südosten des Landes sind es bis zu 250 Kilometer in andere Gebiete des Landes. Allein aus diesem Grund schon wäre ein weiterer Standort eines Intensivhubschraubers dringend geboten. Weiterhin kann der definierte Radius von 50-80 Kilometern für den Kreis OPR nur ganz knapp eingehalten werden.

In der Notfallversorgung ist Zeit der alles entscheidende Faktor, um Menschenleben zu retten. Laut Gesetz müssen die Helfer in 95 % der Notfälle binnen 15 Minuten vor Ort sein. Eine Auswertung der Jahre 2015-2018 offenbart, dass die Retter im Kreis OPR in 11 % der Fälle nicht innerhalb von 15 Minuten am Notfallort waren. „Davon abgesehen, dass 15 Minuten als Frist schon sehr lange sind und wir in einem entwickelten Land eigentlich 100 % Quote als gesetzliche Vorgabe haben sollten, dienen diese Strukturen der Rettung von Menschen und sind für den Notfall vorzuhalten. Wirtschaftliche Kriterien, wie der Faktor Auslastung, dürfen nicht über Menschenleben stehen“, so Michael Güldener, Neuruppiner Bürgermeisterkandidat von BVB / FREIE WÄHLER.

Angesichts fehlender Rettungs- und Notfallsanitäter sind der Landkreis und die Notfallversorgungszentren, allen voran der Schwerpunktversorger am Standort Neuruppin, derzeit unterversorgt. Das Land Brandenburg kommt daher nicht umhin, am Standort Neuruppin einen sechsten Rettungshubschrauberstandort einzurichten, um die gesetzlichen Hilfsfristen einzuhalten. „Hinzu kommt, dass der Landkreis OPR, insbesondere der Raum Neuruppin, an der sehr unfallträchtigen A24 liegt. Das ist ein weiterer Grund für eine Notfallversorgung mit allen möglichen Rettungsmitteln und besonders für Intensivhubschrauber“, ist der Sprecher der Wählergruppe „Wir In Neuruppin (WIN)“ Marco Liebsch überzeugt.

Die Corona-Pandemie hat die ganze Welt und Brandenburg einmal mehr vor Augen geführt, wie wichtig eine gute medizinische Versorgung auch im ländlichen Raum ist. Vor Kurzem erst hat die Landesregierung selbst eine Umfrage über die allgemeine Lage im Land vorgestellt, bei der die Menschen als Top-Thema „Gesundheitspolitik“ nannten. Vor diesem Hintergrund ist es nicht vermittelbar, wenn die medizinische Versorgung und Notfallversorgung in der Brandenburger Peripherie zugunsten der Krankenhaus-Kooperation mit Berlin vernachlässigt wird.

„Wir fordern die Brandenburger Landesregierung auf, einen sechsten Rettungshubschrauberstandort am Standort Neuruppin einzurichten und eine auf Fakten basierende Debatte im Landtag zu ermöglichen. Daher erwarten wir von der Landesregierung eine wissenschaftliche Studie, welche die Situation der Notfallversorgung untersucht und Über- oder Unterversorgungen transparent macht“, so Fraktionsvorsitzender Vida abschließend.

Link zum Antrag

Presseecho:

„Freie Wähler wollen einen Heli mehr“ – SVZ, 02.11.2020