Der BER ist nicht das einzige Bauprojekt der Landesregierung Brandenburg, bei dem es Verzögerungen gibt. Seit 12 Jahren ist die Synagoge Potsdam in Planung, aber noch nicht einmal der erste Spatenstich getan. In der Presse heißt es, die verschiedenen jüdischen Gemeinden wären sich nicht einig und dies sei der Grund für die Verzögerungen.

Tatsächlich liegen die Wurzeln des Problems woanders: Die jüdischen Gemeinden in Potsdam sind nicht die Bauherren für ihre eigene Synagoge. Statt wie sonst üblich einen Finanzrahmen vorzugeben und den Bau den Gemeinden zu überlassen, tritt die Landesregierung Brandenburg als Bauherr auf.

Und so suchte man per Wettbewerb einen Architekten aus. Es gewann ein Entwurf in Form eines Sandstein-Blocks, der nicht als Synagoge erkennbar war. Anfangs war auch die Raumaufteilung nicht zu gebrauchen: etwa ein Gebetsraum von nur 100 Quadratmetern im Dritten Stock. Es war nicht das, was die jüdischen Gemeinden wollten. Sie einigten sich auf einen gemeinsamen Änderungsvorschlag, etwa mit architektonischen Anlehnungen an die frühere Synagoge.

Doch die eigenen künstlerischen Vorstellungen umzusetzen, war dem Architekten wichtiger als die Wünsche der späteren Nutzer. So quält man sich inzwischen mit dem fünften Entwurf, der die Wünsche nicht umsetzt. Doch die Landesregierung hält am Architekten fest und setzte den jüdischen Gemeinschaften ein Ultimatum: entweder der Architektenentwurf oder gar nichts. Der „Streit zwischen den jüdischen Gemeinden“ dreht sich nicht darum, wie die Synagoge aussehen soll, sondern ob man wegen Druck aus der Landesregierung vor dem Architekten kapituliert oder weiterkämpft für die Umsetzung der gemeinsamen Wünsche …

Wir werden das Projekt im Ausschuss weiter begleiten und hoffen, eine gemeinsame Lösung finden zu können.