Eine Kleine Anfrage der BVB / FREIE WÄHLER Fraktion im Landtag Brandenburg hat neue Zahlen zur Entwicklung der Windkraft erbracht. Die Landesregierung baut trotz bestehender Überkapazität nicht nur weiter aus, sie schießt sogar schon Ende 2019 über ihr Ziel für 2030 hinaus und ignoriert dabei weit kostengünstigere anwohner- und artenschutzfreundlichere Wege zur umweltfreundlichen Energieversorgung. Laut Antwort der Landesregierung sind 244 neue Windkraftanlagen mit 805 MW Nennleistung bereits genehmigt worden. Weitere 761 Windkraftanlagen mit 3.869 MW befinden sich im Genehmigungsprozess.

Zusammen mit den bestehenden Windrädern ergäbe sich bei Umsetzung der beantragten und genehmigten Anlagen in Brandenburg ein Gesamtbestand von 4.823 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 10.969 MW. Eigentlich hatte die Landesregierung das Ziel von 10.500 MW erst für 2030 ausgegeben. Wir halten das Vorgehen für ineffizient – sowohl hinsichtlich der Kosteneffizienz als auch vom Standpunkt der Versorgungssicherheit und des Klima-, Anwohner- und Artenschutzes.

Schon bei den derzeit 7.100 MW gibt es bei kräftigem Wind in Nord- und Ostdeutschland nicht genug Abnehmer. So wurden allein beim kürzlichen Sturmtief Sabine 210.000 MWh an Windkraft abgeregelt. Das entspricht einem Wert von etwa 150 Millionen Euro, die nun den Bürgern über die Netzentgelte ohne irgendeine Gegenleistung in Rechnung gestellt werden. Netzausbau und Power-to-Gas als angebliche Lösung des periodischen Windkraft-Überschusses sind kurz- und mittelfristig nicht im notwendigen Umfang zu erwarten.* Die Baukosten für diese 1005 überschüssigen Windkraftanlagen dürften bei etwa 4 Milliarden Euro liegen. Geld, das am Ende die Bürger zahlen müssen – und sei es über Schadensersatzzahlungen für Zwangsabschaltungen mangels Nachfrage.

„Es wäre klüger, mit diesem Geld die Versorgungslücke in windarmen Zeiten zu schließen“, so der Landtagsabgeordnete Péter Vida. Etwa durch Ausbau von Photovoltaik auf Dächern oder ehemaligen Tagebauflächen, die sich nicht mehr landwirtschaftlich nutzen lassen. Denn bei sonnigen, aber windarmen Hochdruckwetterlagen gibt es in der Region noch keinen Stromüberschuss. Die noch verbleibende Versorgungslücke in wind- und sonnenarmen Zeiten könnte man durch Gasheizkraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung decken. Diese könnten auch so ausgestattet werden, dass sie die schon jetzt regelmäßig auftretenden Windkraft-Überschüsse zumindest teilweise zu Heizzwecken einsetzen könnten. „Damit wäre bei gleichen Kosten der Umwelt erheblich mehr geholfen. Und den Anwohnern, Greifvögeln, Fledermäusen ebenso.“

Link zur Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage

Link zur Karte mit den geplanten Windkraftanlagen (Menü öffnen)

*Power-to-Gas
Elektrolyse-Anlagen mit der notwendigen Kapazität würden noch einmal 4 Milliarden Euro extra kosten und damit die Investitionskosten verdoppeln. Da sie nur bei Wind laufen würden (ca. 15-20 % des Jahres), hätten sie kaum ein Chance, ihre Kosten je wieder einzuspielen. Man müsste zu ihrer Finanzierung eine Subvention einführen, um eine andere Subvention (Windkraft) zu rechtfertigen. Mit einer ausreichenden Kostensenkung ist kurz- und mittelfristig nicht zu rechnen.

*Netzausbau
Die einzige für die Region Berlin-Brandenburg relevante Fernleitung Südostlink wird nach über zehnjähriger Planungs-, Genehmigungs- und Bauphase frühestens 2025 eröffnet. Sie kann trotz Kosten von 5 Milliarden Euro nur 2.000 MW ableiten. Eine Kapazität, die sich Brandenburg zudem mit den Windkraft-Überschuss-Ländern Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern teilen muss. Aufgrund der langen Vorlaufzeit von über 10 Jahren sind weitere Fernleitungen bis 2030 praktisch ausgeschlossen. Bereits jetzt verursacht der durch die Erneuerbaren bedingte Netzausbau beim Netzbetreiber 50 Hertz Kosten in Milliardenhöhe.