Podiumsdiskussion in Bernau zum Thema 5G

Die Podiumsdiskussion zum Thema „5G – Chancen und Risiken für Brandenburg“ war mit rund 150 Gästen vor Ort gut besucht.

Im Podium waren alle Meinungen vertreten. Achim Sawall, Leitender Chefredakteuer Mobilfunk bei Golem.de, hob die Vorzüge von Mobilfunk und 5G im besonderen hervor. Dr. André Göbel vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Energie verteidigte die Ausbaustrategie des Landes. Für beide überwogen die Vorteile von 5G die Risiken. Von autonomen Fahren über zielgenauen Einsatz von Drohnen in der Landwirtschaft würde 5G vieles ermöglichen. Zudem würde sich bei zahlreichen gleichzeitigen Nutzern am gleichen Ort die Datenübertragungskapazität verbessern.

Thomas Löb vom Aktionskreis „5G-freies Berlin-Brandenburg!“ vertrat eine gegenteilige Position. Er hob vor allem die Gefahren hervor – für die Gesundheit aber auch in Punkto Datenschutz und Ressourcenverbrauch. Er forderte sogar die gezielte Schaffung mobilfunkfreier Räume in Brandenburg. Er hatte viele Mitstreiter mitgebracht, und im Publikum dominierte eine kritische Haltung zu 5G.

Péter Vida als Vertreter der Fraktion nahm eine ausgleichende Position ein. Für ihn sind die laut Verfassung anzustrebenden gleichwertigen Lebensbedingungen im ganzen Land das grundlegende Ziel. Daher will er sich dem Fortschritt und auch dem Mobilfunk nicht in pauschal den Weg stellen.

Die Landesregierung sollte die Förderung jedoch so ausrichten, dass zuerst die immer noch riesigen Funklöcher mit der günstigeren 4G-Technologie abgedeckt werden. Denn die neuen Frequenzen des 5G-Standards haben eine geringere Reichweite. Was wiederum bedeutet, dass mehr Masten errichtet werden müssten, um die gleiche Fläche abzudecken. Kurzum: Eine Flächendeckung ist mit 4G günstiger zu erzielen als mit 5G. Doch die Landesregierung investiert aktuell lieber 55 Millionen Euro in 5G.

Bei dem 5G-Pilotprojekt in Bernau forderte er eine wissenschaftliche Begleitung. Man sollte herausfinden, ob die 5G-Anlagen in Sachen Datenübertragung halten was sie versprechen. Denn auch hierzu wurden in der Podiumsdiskussion Zweifel laut – und das sogar von Befürwortern des Ausbaus. Zudem ist zu prüfen, ob sich die befürchteten negativen Auswirkungen auf die Bevölkerung bestätigen. Die Auswertung dieser Daten sollte dann den Ausschlag geben, ob das Land den weiteren Ausbau von 5G fördert.

Insgesamt muss noch viel geforscht werden. Schon die extrem unterschiedlichen Grenzwerte für elektromagnetische Strahlung in den verschiedenen Ländern zeigen dass hier alles andere als Klarheit herrscht.

Presseecho:
Schnelles Handy-Internet:  Bernauer diskutieren über Vor- und Nachteile des neuen Funkstandards G5  – MOZ, 17.02.2020